Ehrendoktorwürde für Prof. Dr. Dr. Dieter Vieweger

Der Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität hat am 07.09.2009 dem Theologen und Archäologen Prof. Dr. theol. Dr. phil. Dieter Vieweger die Ehrendoktorwürde verliehen. Prof. Vieweger lehrt an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal Altes Testament und biblische Archäologie und leitet seit zehn Jahren das von ihm gegründete Biblisch-Archäologische Institut an der Bergischen Universität, außerdem das Deutsche Evangelische Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem und das entsprechende Institut in der jordanischen Hauptstadt Amman.

Dieter Vieweger wurde 1958 in - damals noch - Karl-Marx-Stadt geboren. Mit 16 wurde ihm aus politischen Gründen der Weg zum Abitur verwehrt. Über eine kirchliche Einrichtung kam er trotzdem zum Studium der Evangelischen Theologie. 1981 legte er mit 23 sein Erstes Theologisches Examen bei der Landeskirche Sachsens ab. 1986 folgte die Promotion an der Universität Leipzig. Nach der Ordination 1987 an der Thomaskirche in Leipzig war er vier Jahre Pfarrer des Thomanerchores. 1989 folgte die Habilitation, ebenfalls an der Universität Leipzig, 1991 wurde ihm der Dr. theol. habil. verliehen.

Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch, Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Präsident des DAI, Berlin, Prof. Vieweger, Prof. Dr. Günter Ruddat, Rektor der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, Prof. Dr. Gerrit Walther, Dekan des Fachbereichs Geistes- und Kulturwissenschaften, Prof. Dr. Michael Scheffel, Prorektor für Forschung, Drittmittel und Graduiertenförderung, und Dr.h.c. Josef Beutelmann, Hochschulratsvorsitzender (v.l.n.r.) Foto: Michael Mutzberg

Mit der Wende konnte Vieweger endlich eine akademische Lehrtätigkeit aufnehmen, von 1989 bis 1991 an der Kirchlichen Hochschule Berlin als Professor für Alttestamentliche Wissenschaft und von 1991 bis 1993 als Professor an der Humboldt-Universität, bevor er 1993 auf die Professur für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie an die Kirchliche Hochschule Wuppertal berufen wurde.

Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch sagte auf der Ehrenpromotionsfeier, Professor Vieweger sei ein exquisiter Wissenschaftler und Forscher, zweifach promoviert und habilitiert und lehre an drei Universitäten. Er sei eine international anerkannte Größe seines Fachs und verweise in seinem Buch „Archäologie der biblischen Welt", das man getrost als das Standardwerk und -lehrbuch der biblischen Archäologie bezeichnen dürfe, selbst auf die Hollywoodfigur Indiana Jones, der „hinter der verschollenen Bundeslade mit den Tafeln der göttlichen Gebote herjagt, dabei schier unüberwindliche Problem meistert, überall lauernde Gefahren bewältigt und das Publikum in der mystisch verklärten Umgebung des Heiligen Landes in seinen Bann zieht", kurzum „Spannungsgeladene, kurzweilige Schatzsuche nach Jahrtausende alten heiligen Gerätschaften."

Prof. Koch wies auf die besonderen Schwierigkeiten der Arbeit Viewegers hin, die sich aus der geographischen Lage ergäben, Gebiete Israels, Jordaniens und Syriens, einer Region, die wegen der großen politischen Spannungen täglich in den Nachrichten weltweit Beachtung finde. Die praktischen Herausforderungen, mit denen die Forschung vor Ort zu kämpfen hätte, seien immens. Das gelte besonders für das Grabungsprojekt unmittelbar im Dreiländereck zwischen Jordanien, Syrien und Israel auf jordanischer Seite.


Foto: Michael Mutzberg

Prof. Dr. Wolfgang Orth, Historiker im Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften, sagte in seiner Laudatio, die Ehrendoktorwürde sei Dank und Anerkennung für eine Forscherleistung, „die in der Durchführung hoch anerkannter Projekte im Vorderen Orient bestehe, die in mustergültiger Weise mit dem Ziel, Wissenschaftsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, verknüpft ist, deren politisches Potential im Hinblick auf die friedliche Zukunft einer ebenso wichtigen wie schwierigen Region nicht zu unterschätzen ist und die das Ansehen des Wissenschaftsstandorts Wuppertal gefördert hat." Die Forschungen Viewegers hätten ihren Niederschlag in einer großen Zahl von Veröffentlichungen gefunden; sein Publikationsverzeichnis weise mittlerweile etwa 200 Nummern auf.

Archäologie als Beruf in Wuppertal - dieses Fundament sei „karg", meinte Prof. Orth. Zwei große Namen der Archäologiegeschichte seien allerdings mit dieser Stadt verbunden: Wilhelm Dörpfeld und Carl Fuhlrott, der den Neandertaler entdeckt und naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Verfahren in seine archäologischen Untersuchungen einbezogen habe. Laudator Prof. Orth über Prof. Vieweger: „Für Geisteswissenschaftler war und ist sein konsequenter Einbezug naturwissenschaftlicher Methoden und moderner technischer Analyse-Verfahren faszinierend." Es sei ein Glücksfall gewesen, dass für das Biblisch-Archäologische Institut durch den damaligen Kanzler der Bergischen Universität, Dr. Klaus Peters, auf dem Campus Freudenberg Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt worden seien.

Vieweger selbst habe immer wieder dargelegt, wie er Biblische Archäologie aufgefasst wissen wolle, nämlich nicht als der Bibelauslegung untergeordnete Hilfswissenschaft. Der theologische Gehalt biblischer Überlieferungen sei mit der Archäologie nicht zu erfassen, sie könne die Wahrheit der Bibel weder untermauern noch widerlegen. Die geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer der Bergischen Universität hätten über viele Jahre immer wieder von Prof. Viewegers Arbeit und Ergebnissen Kenntnis genommen, die Promotionsordnung eröffne die Möglichkeit der Promotion auch mit einer Arbeit aus der Biblischen Archäologie.

In Jordanien habe sich das Institut für Altertumswissenschaft bis zur Staatsspitze hohes Ansehen erworben; so habe das jordanische Königshaus die Schirmherrschaft über die Tall Zira'a-Ausgrabungen. Neben Goethe-Institut und Deutsch-Jordanischer Universität sei Viewegers Institut in Amman eine Säule deutscher Kultur. Entsprechendes gelte für Jerusalem. Besuche von Politikern gehören bei Vieweger in Israel und Jordanien zum Alltag: Allein in den letzten 12 Monaten seien Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers dort gewesen.

Bei aller Weltläufigkeit habe Vieweger aber seine Grundlagen in der hiesigen Region nicht vergessen: Das inländische Forschungszentrum, in dem die Projekte von Vieweger vorbereitet und nachbearbeitet werden, befinde sich auf dem Campus Freudenberg. Prof. Orth: „Herr Vieweger hat durch sein Renommee in Archäologie und Altorientalistik und seine international anerkannten Forschungsleistungen für das Ansehen des Wissenschaftsstandorts Wuppertal einen erheblichen Beitrag geleistet."

(Quelle: Pressestelle der Bergischen Hochschule Wuppertal)

zur -> Laudatio von Prof. Dr. Wolfgang Orth

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