Bau eines Keramikbrennofens

Im Sommer 2006 wurde das Keramikbrennofenprojekt zu einem vorläufigen Abschluss gebracht: Dabei konnte gezeigt werden, dass es auf dem Tall Zira'a oder in seiner näheren Umgebung mit großer Wahrscheinlichkeit eine lokale Keramikproduktion gegeben hat.

Am Tall Zira'a wurden in einem nach spätbronzezeitlichem Vorbild gebauten Keramikofen (Höhe: 75 cm, Durchmesser: 50 cm, Inhalt des Brennraumes: ca. 100 ltr., Wandstärke: 5 cm) aus lokalen Tonen (Tall Zira'a und Um Quais) hergestellte Gefäße gebrannt. Es wurden 50 Gefäße nach Keramiken aus vornehmlich bronze- und eisenzeitlicher Zeit geformt, so wie sie auf dem Tall Zira'a gefunden wurden.
Das Ofenbauprojekt konnte erst in Angriff genommen werden, nachdem es anlässlich der Frühjahrskampagne 2006 durch eine geologische Exploration gelungen war, Tonvorkommen in unmittelbarer Nähe des Tall Zira'a festzustellen. (In der Sommerkampagne 2003 waren schon Tonvorkommen in Um Quais ausfindig gemacht worden- mit diesen Tonen wurde damals ein Tabun gebaut.)
Dem Keramikofenbau sowie dem Brennen der Gefäße gingen aufwändige Untersuchungen und Experimente in Deutschland voraus: Die lokalen Tone (Tall Zira'a und Um Quais), wie auch die bei den Grabungen aufgefundenen Keramiken wurden in Laboruntersuchungen auf ihre chemische und mineralogische Zusammensetzung hin untersucht. Die Temperaturen, bei denen die Keramiken seinerzeit gebrannt wurden bzw. die zum Brennen der lokalen Tone erforderlich sind, ließen sich über Nachbrenn- bzw. Brennversuchen ermitteln.
In einer Töpferwerkstatt wurden die Tone auf ihre Keramiktauglichkeit (Formbarkeit und Brennversuche in einem elektrisch betriebenen Töpferofen) geprüft. Als Abschluss der Voruntersuchungen wurde dann im Juni 2006 in Brüggen-Born aus (heimischem) Ton ein Prototyp des konzipierten Keramikofens gebaut und mit 30 Gefäßen bestückt, die aus Tonen vom Tell Zira'a und von Umm Qais geformt wurden (Hanna Brückelmann) und in ihrer Form den auf dem Tall Zira'a gefundenen bronze- und eisenzeitlichen Keramikgefäßen entsprachen. Der Ofen wurde bei jeweils 650°C und bei 750°C betrieben. Die Keramikbrände waren zwar typgerecht (ca. 10% Bruch), allerdings wies der Ofen nach dem Brand starke Risse auf und war für weitere Brennversuche nicht mehr einsetzbar

Die chemischen Untersuchungen ergaben, dass die lokalen Tone stark CaO-haltig sind und in ihrer Zusammensetzung den auf dem Tall Zira'a gefundenen Keramiken der Warengruppen WM C R2B, WM C Buff bzw. Cl Bu2Br nahe kommen. Wie die Nachbrennexperimente mit Keramikproben dieser Warengruppen zeigten, lagen die Brenntemperaturen zwischen 550-600°C und 750-800°C. Diese Temperaturen konnten mit dem Ofen leicht erreicht werden, die beiden Brände (bei 650°C und 800°C mit jeweils 25 Gefäßen) lieferten typkonforme Ware (wenig Bruch). Es stellte sich aber heraus, dass mit diesem Ofentyp dauerhaft keine Temperaturen >900 C, wie sie für das Brennen stark SiO2-haltiger Keramik (u.a. Cl Red, röm. -byz.) erforderlich sind, erzielt werden können. Selbst nach den Versuchen, Temperaturen von >900°C zu erreichen, befand sich der Ofen noch in gutem Zustand. Das ist wohl letztlich auf die Zugabe besonderer Magerungsmittel beim Aufbau, sowie auf die spezielle Methode des Trocknens und Ausheizens des Ofens zurückzuführen

Der Ofen wurde von Abu Mustafa, einem jordanischen Landwirt, gebaut, der seine Erfahrungen als Tabunbauer einbrachte. (Der Tabun im Sommer 2003 wurde ebenfalls von ihm gebaut.) Die Gefäße wurden vor Ort von Hanna Brückelmann (Born-Brüggen) gefertigt. Zum Vergleich wurden ebenfalls Gefäße (mit geringerem Erfolg: ca. 50% Bruch) in einer offenen Feuerkuhle gebrannt.

Basierend auf den Ergebnissen vorliegender chemischer und mineralogischer Keramikanalysen und unseres Kenntnisstandes von traditioneller Töpferei in Nordjordanien bzw. auf Zypern wird die Produktion der einzelnen Gattungen und ihrer Formen untersucht. Dabei gilt unser Interesse sämtlichen Arbeitsschritten bis zur Erzeugung des jeweiligen Endproduktes, wie z.B. den Fragen

  • der Gewinnung und der Verarbeitung des Tons (einschließlich der Magerung/Beimischung),
  • der handwerklichen und künstlerischen Gestaltung,
  • der Oberflächenbearbeitung (wie z.B. der Politur),
  • der Bemalung und Verzierung,
  • des Brandes sowie
  • des Baus von Brennöfen.