Archäometrie

Das Keramikprojekt

verantwortlich am BAI: Dr. Wolfgang Auge

Durch geochemische und mineralogische Untersuchung stratifizierter Scherben vom Tall Zira'a, aus Gadara (Umm Qais) und der Survey-Keramik der benachbarten Orte Tall Bond und Tall Kenise (Jordanien) soll deren lokale bzw. externe Herkunft ergründet werden. Außerdem werden Informationen über die Beziehungen dieser Gemeinwesen untereinander (u.a. mit der bekannten Dekapolisstadt Gadara) von der Frühbronzezeit bis zur späten islamischen Zeit erwartet. Darüber hinaus sollen Untersuchungen zur Töpfertechnik (Brenntemperaturen, -atmosphäre und -dauer) und damit zur Entwicklung der Technikkultur in dieser Region durchgeführt werden. Hierzu ist eine materialkundliche Charakterisierung der Keramiken und der lokal anstehenden Tone erforderlich. Methodik und Konzepte zur Beantwortung der formulierten Fragen sind in der Archäometrie alter Keramiken hinreichend bekannt. Als neuere methodische Entwicklungen sollen hier die Rietveld-Methode der Röntgendiffraktometrie sowie Einzelstudien der Transmissionselektronenmikroskopie eingesetzt und darüber hinaus (Nach-) Brennversuche durchgeführt werden. Erste Untersuchungen an einer kleinen Anzahl nicht stratifizierter Survey-Keramiken vom Tall Zira'a (und aus Gadara) führten zu vorläufigen, gut zu interpretierenden und interessanten Ergebnissen:


Schnitt durch eine Keramik (mikroskopische Aufnahme).

Die naturwissenschaftliche Untersuchung von 26 zeitlich und warentypisch repräsentativen Keramikscherben des Tall Zira'a sowie von elf weiteren Proben aus Gadara, Tall el-´Oreme (Kinneret), Tall Abu Kharaz und Pella dienten einem ersten "Screening". Es sollte die grundsätzliche Zusammensetzung der Keramiken ermittelt und geprüft werden, ob sich bereits (zeitabhängige) Ähnlichkeitsgruppen erkennen ließen. Ferner sollten Aussagen zur lokalen Herstellung bzw. zur (fremden) Herkunft gemacht und erste Ideen zur Herstellungstechnik entwickelt werden.

Die Proben wurden am DBM mittels ICP-OES auf 28 Elemente chemisch analysiert und zudem mittels Röntgenbeugung und Polarisationsmikroskopie mineralogisch untersucht. Die Analysen wurden mittels einer Multivarianz-Clusteranalyse ausgewertet. Es wurden die folgenden vorläufigen Ergebnisse erzielt.

Die Tall Zira'a-Keramiken lassen sich nahezu unabhängig von der Zeitstellung in vier chemisch ähnliche Gruppen einteilen, die sich im wesentlichen in ihrem CaO/MgO- bzw. SiO2-Gehalt voneinander unterscheiden:


Chemische Zusammensetzung der untersuchten Keramiken im Stoffsystem SiO2 - CaO.

Da sich eine größere Gruppe der Tall Zira'a-Keramiken unabhängig von der Zeitstellung sehr ähnlich sind, spricht vieles dafür, dass diese Keramiken auf (oder nahe beim) Tall hergestellt wurden. Eine weitaus kleinere Gruppe ähnelt der untersuchten Gadara-Keramik (UmQ). Damit scheint eine Beziehung zwischen diesen Gemeinwesen bestanden zu haben. Handelt es sich dabei jedoch um Importware, so scheinen beide Orte in entsprechende handelspolitische Beziehungen eingebunden gewesen zu sein. Die restlichen Scherben (A) zeigen keinerlei Ähnlichkeiten untereinander.


Mutmaßliche Herkunft der auf dem Tell Zera'a gefundenen (untersuchten) Keramiken.
Abkürzungen: TZ = lokal; UmQ: von Gadara; A = nicht unterscheidbar.

Elf Tonproben aus Gadara, die in der Nähe einer vermutlich hellenistischen Töpferwerkstatt geborgen wurden, die offenbar aus einem noch kürzlich abgebauten Tonvorkommen und anderen geologisch interessanten Orten entnommen wurden, werden z.Zt. am DBM auf ihre Zusammensetzung hin untersucht.

Siehe auch: experimentelle Archäologie